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Tagung der Netzwerke NRW 2015


Beteiligen in der Stadt

Münster / Arnsberg. Insgesamt ca. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben am 12. und 13. November im Kaiserhaus in Arnsberg die Tagung der Netzwerke NRW besucht. Unter der Überschrift „Beteiligen in der Stadt“ diskutierten die Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedskommunen gemeinsam mit Interessierten aus Stadtplanung, Institutionen der Zivilgesellschaft, Politik und Fachinteressierten über verschiedene Formen und Vorgehensweisen einer partizipativen Stadtentwicklung. Am Abend des ersten Tagungstages wurden zudem die „Ab in die Mitte NRW!“-Gewinnerstädte des Jahres 2015 ausgezeichnet.

Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, zeigte sich dabei von den eingereichten Konzepten beeindruckt: „Wir haben mit unserem Landeswettbewerb Kommunen gesucht, die durch eigenes Engagement ihre Städte attraktiver machen und dabei auch vorbildlich den Handel und die Bürgerinnen und Bürger einbinden. Unsere Stadtentwicklung braucht jeden Einzelnen! Was möglich ist, wenn sich alle Akteure zusammensetzen und an einem Strang ziehen, das zeigen die Gewinnerstädte in diesem Jahr auf eindrucksvolle Art und Weise. Mein Glückwunsch gilt allen Siegern.“

Zuvor hatte die Tagung mit fünf Exkursionen rund um Arnsberg begonnen. Per Bus, zu Fuß oder gar joggend besuchten die Tagungsteilnehmer Projekte in den Stadtteilen Hüsten, Moosfelde, Neheim und Alt-Arnsberg. Zudem gab es für die Besucher der Tagung die Möglichkeit, sich in einer begleitenden Ausstellung über weitere Beteiligungsprojekte aus den Mitgliedsstädten der Netzwerke zu informieren. Die Projektausstellung wurde durch einen Rundgang mit Minister Michael Groschek eröffnet, der sich mit mehreren Akteuren unterhielt.

Nach der Preisverleihung hielt Claudius A. Schmitz, Professor für Handel und Marketing an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen einen viel beachteten Vortrag unter der Überschrift „Wir beteiligen uns!? Woran? Mit oder ohne SmartPhone?“. Für Aufsehen sorgte dabei insbesondere die Vorstellung einer Umfrage von Prof. Schmitz, die die Vorstellungen von lebenswerten Orten in der Stadt aus der Perspektive einer jungen Generation darstellte und damit bewährte stadtplanerische Ansichten in Frage stellte. Im Anschluss diskutierten  Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW e. V., Axel Funke, Vorsitzender des Vorstands (CEO) der Fokus Development AG und Karl Jasper, Leitender Ministerialrat im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW, über Beteiligungsformate in den Kommunen.

Drei Diskussionsinseln bildeten das Gerüst des zweiten Tagungstages. Unter der Überschrift „Private Initiativen, Einzelhandel und neue Nutzungen“ ging es zunächst um den drohenden Bedeutungsverlust innerstädtischer Versorgungszentren. In seinem einleitenden Vortrag stellte Dr. Ares Kalandides (InPolis, Raumplanung und Kommunikation) vor, auf welche Weise auch die lokale Wirtschaft in Beteiligungsformate und Umgestaltungen eingebunden werden kann und sollte. Am Beispiel eines Neuköllner Beteiligungsprojektes, bei dem Frauen mit Migrationshintergrund mit der kreativen Näh-Szene zusammengebracht wurden, forderte er die Teilnehmer auf, auch neue und innovative Wege der Beteiligung zu gehen. Quer denken, heißt die Devise, denn, so wurde deutlich, zwischen der Vorstellung über Beteiligungsprozesse und dessen Realität liegen oft große Unterschiede.

In der zweiten Diskussionsinsel „Urbane Nachbarschaften“ ging es zunächst um die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Initiative für die Stadtentwicklung und im weiteren Verlauf um die praktischen Erfahrungen der Diskutanten zur Einbindung von Anwohnern. Peter Apel (Planungsbüro Stadtkinder, Dortmund) berichtete wie und warum Jugendliche und Kinder in Prozessen der Stadtentwicklung beteiligt werden sollten. Robert Ambrée (Nachbarschaft Samtweberei Krefeld UNS gGmbH, Montag Stiftung Bonn) stellte das Projekt Samtweberviertel aus Krefeld vor. Mittels durchgängiger Beteiligung und einfach gehaltenen Fördermöglichkeiten soll hier in Kooperation mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Einrichtungen ein sozial, kulturell und ökonomisch durchmischtes Viertel entstehen, in dem Freiräume für Begegnungen, Kreativität und Bildungsarbeit gehalten werden.

Abschließend wurde unter der Überschrift „Quartiersentwicklung zur Umgestaltung“ über die praktischen Erfahrungen zweier Umgestaltungsprojekte berichtet. Ralf Bülte von der Stadt Werne erläuterte anhand der Umgestaltung der Fußgängerzone in Werne, welchen bedeutenden Anteil der Austausch und die Kommunikation mit den Bürgern bei der Entwicklung einer öffentlichen Meinung ausmachen. Mit dem Projekt „Unser Hahnenbach“ zeigten Sebastian Ortmann (Emschergenossenschaft) und Michael Wichert (Kita St. Marien – Gladbeck Brauck) eindrucksvoll, welchen Mehrwert eine Kooperation von geeigneten Partnern hervorbringt. Nicht zuletzt ging es auch um die Frage „Was erwarten Bürger von der Kommune?“, die Dr. Frank Claus (IKU_Die Dialoggestalter, Dortmund) in den Mittelpunkt seines einleitenden Vortrags stellte.

Nach den Diskussionsinseln wurde den Teilnehmern die Möglichkeit eröffnet, Fragen und Anregungen zu geben. Wie sich zeigte, war das Interesse an den Vorträgen und den vorgestellten Projekten groß, denn interessante und kreative Fragen, Ideen und Diskussionen entstanden aus jedem Thema.

Veranstaltet wurde die Tagung der Netzwerke NRW gemeinsam vom Netzwerk Innenstadt NRW, dem Netzwerk Stadtumbau, dem Städtenetz Soziale Stadt, dem Forum Baulandmanagement, der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadt- und Ortskerne und dem Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW.


Programm

Donnerstag, 12. November 2015

  • Exkursionen
  • Ministerrundgang durch die begleitende Ausstellung
  • Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg / Begrüßung
  • Diskussionsrunde "Beteiligen in der Stadt"

    • Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW e. V., Düsseldorf
    • Bernd Lammers, Direktor der Volkshochschule Hamm
    • Axel Funke, Vorsitzender des Vorstands (CEO) der Fokus Development AG, Duisburg
    • Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW, Düsseldorf

  • Auszeichnung der „Ab in die Mitte NRW!“-Gewinnerstädte 2015 durch Minister Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW
  • Claudius A. Schmitz, Professor für Handel und Marketing, Westfälische Hochschule, Gelsenkirchen / Wir beteiligen uns!? Woran? Mit oder ohne SmartPhone?

 

Freitag, 13. November 2015

  • Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg / Begrüßung
  • Karl Jasper, Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW, Düsseldorf / Beteiligungsformen in NRW / Tag der Städtebauförderung

Thema 1: Private Initiativen, Einzelhandel und neue Nutzungen

  • Ares Kalandides, InPolis, Raumplanung und Kommunikation / Städte, Quartiere oder Regionen – Geeignete Lösungen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft
  • Diskussionsinsel:

    • Dardo Franke, Technischer Beigeordneter, Stadt Höxter / Marktplatzgestaltung Höxter
    • Dr. Claudia Fründ, Stadt Herten / Neustart Innenstadt - Kaufhaus der Ideen
    • Peter Müller, Bergisch Gladbach / Immobilien- und Standortgemeinschaft Hauptstraße e.V.

Thema 2: Urbane Nachbarschaften

  • Stephanie Haury, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn / Bürger gestalten mit: Neue Formen der Teilhabe
  • Diskussionsinsel:

    • Peter Apel, Planungsbüro Stadtkinder, Dortmund / Generationenübergreifende Beteiligung von Quartiersbewohnern
    • Robert Ambrée, Nachbarschaft Samtweberei Krefeld UNS gGmbH, Montag Stiftung, Bonn / Initialkapital für das Samtweberviertel Krefeld

Thema 3: Quartiersentwicklung zur Umgestaltung

  • Dr. Frank Claus, IKU _Die Dialoggestalter, Dortmund / Bürgerbeteiligung: Was erwarten Bürger von der Kommune?
  • Diskussionsinsel:

    • Joachim Thiehoff, Dorsten Hervest / Quartiersmanagement
    • Ralf Bülte, Stadt Werne / Umgestaltung der Fußgängerzone
    • Sebastian Ortmann, Emschergenossenschaft / "Unser Hahnenbach"
    • Michael Wichert, Gladbeck Brauck / Kita St. Marien


Impressionen

Bildnachweis: Ralf Emmerich
Bildnachweis: Ralf Emmerich
Bildnachweis: Ralf Emmerich
Bildnachweis: Ralf Emmerich
Bildnachweis: Ralf Emmerich