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Exkursion Bielefeld / Herford / Minden

Die zweite Exkursion, die im Rahmen der Tagung „Bildung öffnet Welten- Stadt bietet Räume“ veranstaltet wurde, führte nach Bielefeld, Herford und Minden.

Die Exkursion startete in Bielefeld, wo die Exkursionsteilnehmer_innen von Herrn Bodo Temmen begrüßt wurden. Der Abteilungsleiter der Gesamträumlichen Planung und Stadtentwicklung der Stadt Bielefeld führte die Gruppe mit Unterstützung von Uta Jülich von der Stadtentwicklungsplanung durch die Stadt Bielefeld. Orte der Begegnung und der Bildung in der Innenstadt standen im Vordergrund des Stadtrundganges.

 

Nachdem Herr Temmen einleitende Worte zur Stadtentwicklung und zum ehemaligen Industriestandort Bielefeld fand, machte die Gruppe zu Beginn einen Halt in der Fußgängerzone der Stadt. Hier besichtigten die Teilnehmer_innen die zurzeit andauernden Bauarbeiten des ECE Geländes in der Zimmerstraße. Herr Temmen erläuterte die Einzelhandelsentwicklung und Planung des Einkaufscentrums sowie die zu befürchtenden Auswirkungen auf den innenstädtischen Einzelhandel.

Dann wurde die Exkursionsgruppe zum Neumarkt geführt, auf dem die Stadtbibliothek sowie das Stadtarchiv seinen Standort haben. Ab 1936 beherbergte der Neumarkt den „Mittelpunkt der Stadt Bielefeld“. Der Neumarkt hatte bis 1992 die Marktfunktion der Stadt Bielefeld inne, bis der Wochenmarkt  1992 aufgrund von Sanierungsarbeiten auf den Kesselbrink umgelagert wurde. Die Nachnutzung des Neumarktes war viele Jahre unklar. Schließlich wollte die Stadt Bielefeld „einen Ort der Bildung und Bewegung auf dem Neumarkt schaffen“ und somit diesen Standort „zu einem Ort gestalten“, so Bodo Temmen. Heute ist der Neumarkt ein Verwaltungsstandort und dient zur Verbindung des kommerziellen Bereichs der Innenstadt und den Wohngebieten.

Der größte innerstädtische Platz der Stadt Bielefeld ist der Kesselbrink, wo die Gruppe einen zweiten Stopp machte. Herr Temmen machte deutlich, „dass sich die Innenstadt nicht nur über den Einzelhandel identifizieren kann, sondern Orte und Räume der Begegnung braucht“. In den vergangenen Jahrzehnten gab es an diesem Standort keinen Nutzungskonsens. Aus Bürgerdialogen und Machbarkeitsstudien aus planerischer Sicht wurden Nutzungsbaukästen entwickelt, die der weiteren Planung als Orientierung dienten. Frau Jülich erläuterte, dass der Platz eine Anbindung an die Innenstadt erhalten und in diese integriert werden sollte. Es musste beachtet werden, dass es sich bei dem Platz um eine bauliche Anlage mit einer darunter liegenden großflächigen Tiefgarage handelt. Nach der Umgestaltung des Kesselbrinks mit Mitteln des Förderprogramms Stadtumbau West im Rahmen der Agenda 21 hat sich der Platz zum Mittelpunkt der Stadt entwickelt, an denen auch öffentliche Veranstaltungen ausgetragen werden. An östlicher Seite des Kesselbrinks befindet sich die größte innerstädtische Skateranlage Deutschlands, die viele Altersgruppen und Nationalitäten anspricht. Für öffentliche Veranstaltungen und als Skaterpark wird der Platz sehr gut angenommen, weitere Konzepte z. B. zur Gastronomie und zum Wochenmarkt müssen sich noch weiterentwickeln.

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Der Stadtrundgang führte die Gruppe weiter in den Ravensberger Park, der ehemaligen Keimzelle der Industrialisierung, in dem u. a. die Volkshochschule beherbergt ist und der sich zu einem Veranstaltungsort etablierte. Der Ravensberger Park mit seinem Museum und alten Industriegebäuden, wie z.B. der alten Spinnerei und Weberei, ist zu einem „Ort des Bürgertums“ geworden und war für Herrn Temmen ein „Trittstein in der Historie für Standorte der Bildung“ in der Stadt.

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In Herford besuchten die Teilnehmer_innen das ehemalige Gelände der Wentworth- Kaserne, welches sich östlich des Stadtzentrums befindet und seit Abzug der englischen Streitkräfte leer steht. Maike Wöhler und Claudia Stoll aus der Abteilung Stadtplanung, Grünflächen und Geodaten der Stadt Herford führten die Gruppe durch die Planungen dieser Konversionsfläche und den Zielfindungsprozess zu dem Projekt „Bildungscampus Herford“.  Der Prozess fand  unter großer Bürgerbeteiligung statt und brachte viele innovative Ideen hervor, um das Thema Bildung in der Region zu stärken. Von Seiten der Bürger war für diesen Standort die Entstehung einer Quartiersmitte gewünscht. Entstehen soll ein modular aufgebauter Campus mit verschiedenen Angeboten, bei dem Hochschulen aus der Region untereinander und mit anderen Partnern kooperieren können. Ideen dafür gibt es für den Bereich Medizin und Pflege mit lokalen Anbietern der Gesundheitswirtschaft und zum Thema Industrie 4.0. Darüber hinaus wurden Ideen für Living Labs und für ein Familienforschungszentrum entwickelt. Die denkmalgeschützten Kasernenbauten sowie das moderne Division Conference Center sollen für die neuen Anforderungen umgebaut werden.

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Zurzeit ist die Stadt Herford auf der Suche nach Partnern „um ein Gesamtobjekt“ auf dem Bildungscampus entstehen zu lassen, wobei Frau Wöhler betont, dass „die Stadt Herford kein Hochschulstandort werden möchte“, allerdings Kooperationen erwünscht sind. Der Bildungscampus soll für Offenheit und Kooperationsfreundlichkeit der Stadt Herford stehen. Einen weiteren Einblick in die ehemalige Lebensart der englischen Bewohner_innen bekamen die Exkursionsteilnehmer_innen bei einem abschließenden Rundgang im ehemaligen Offizierskasino der Kaserne.

Am Nachmittag erreichte die Exkursionsgruppe die Stadt Minden, die ihren Schwerpunkt nicht nur in der Entwicklung zur digitalen Stadt sieht, sondern mit dem Simeonsquartier in der Oberen Altstadt auch einen Ort hat, in dem viel bürgerschaftliches Engagement und ein lebendiges Gemeinwesen vorhanden sind.  Zusammen mit Lars Bursian, dem Beigeordneten und Fachbereichsleiter für Städtebau und Feuerschutz der Stadt Minden begleitete Sabine Hauptmeier aus der Abteilung Projektentwicklung/ Stadtraumgestaltung die Exkursionsteilnehmer_innen während eines Rundganges durch das Simeonsquartier und zu den Orten der Begegnung und Bildung.

Die Exkursionsgruppe bekam viele Eindrücke von gemeinnützigen Einrichtungen im Quartier und folgte  u. a. dem Vortrag des Street Art Projektes zu Nachhaltigkeitszielen von Katja Sonntag. Das Konzept der offenen Kirche St. Simeons wurde von Pfarrer Andreas Brügmann vorgestellt. Die Kirche hat sich zu einem Ort für Veranstaltungen und Begegnungen entwickelt. Eine Übernachtungsmöglichkeit für Pilger_innen soll demnächst geschaffen werden. Insgesamt sind die Arbeit und die Durchführung der Projekte allerdings auf die Finanzierung durch Spenden engagierter Bürgerinnen und Bürger angewiesen.

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Das Quartier ist insgesamt gekennzeichnet durch ein Zusammenspiel aus öffentlichem und privatem Engagement. In diesem Zusammenhang erläuterte Sabine Hauptmeier auch das Projekt „Leuchtturm St. Simeonis“. Anlässlich des 800-jährigen Jubiläums von St. Simeonis 2014 wurde das Lichtkonzept für Minden weitergeführt und der markante Kirchturm St. Simeonis lichttechnisch in Szene gesetzt. „Dieses Leuchtturmprojekt trägt zu einer Aufwertung des Simeonquartiers bei, fasst Sabine Hauptmeier das Ziel des Projektes zusammen.

Weiter ging es zu dem Bildungscampus „Königswall“ am Weingarten, an dem u. a. die Volkshochschule, Fernuniversität Minden und die Stadtbibliothek ihren Sitz haben. Dieser Standort zeichnet sich durch Kooperationen von verschiedenen Akteuren und Institutionen aus und steht beispielhaft für eine räumliche Bündelung von Bildungseinrichtungen. Philipp Knappmeyer und Regina-Dolores Stieler-Hinz vom Fachbereich Bildung, Kultur, Sport und Freizeit der Stadt Minden erläuterten die neu anstehenden Planungen zum Jugendhaus Juxbude und dem historischen Musikhaus. Die Juxbude gibt es schon seit 40 Jahren und wurde vom Verein „interkulturelles Begegnungszentrum“ gegründet. Seit 2015 liegt die Trägerschaft des Hauses bei der Stadt Minden. Das benachbarte Gymnasium soll in die Planungen der Stadt mit eingebunden werden und somit das Ziel verfolgt werden, Schule und Jugend an diesem Standort zusammenwachsen zu lassen. Herr Knappmeyer verdeutlicht an dieser Stelle die Verzahnung von Bildung und Stadtplanung, da die Straße zwischen dem Gymnasium und dem Bildungscampus zurzeit noch als Trennlinie bestehe und die geplante Kooperation der beiden Institutionen zum Aufbrechen beitragen solle.

Abgeschlossen wurde die Exkursion mit der Besichtigung des Eine-Welt-Dorfes im Simeonsquartier. Der außerschulische Lernort und das Projektgelände zur Bildung nachhaltiger Entwicklungen entstand rund um die Turnhalle der Eine-Welt Schule. Auf dem ehemaligen Sportgelände der Grundschule wurden Projekthäuser aus Lehm aus der ganzen Welt von den Kindern und Jugendlichen erbaut. In diesem Projekt wird das partnerschaftliche Lernen gefördert und Verantwortung für Natur und Umwelt gelehrt. Die Vorsitzende Heide Horstmann und ihre Geschäftsführerin Birgit Schwenker der Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden e. V. gaben den Exkursionsteilnehmer_innen einen Einblick in die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen mit den jungen Menschen. Ein anschließender Rundgang durch das Eine- Welt- Dorf nutzten die Teilnehmer_innen, um in Kontakt mit den Akteur_innen zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.

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Pressebericht Minden