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Vernetzte Mobilität – Voraussetzungen, Chancen und Strategien

am 02. April 2019 in Ostbevern / am 12. September 2019 in Essen

Das Netzwerk Innenstadt veranstaltete zwei Innenstadt-Gespräche zum Thema „Vernetzte Mobilität – Voraussetzungen, Chancen und Strategien“. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um das Thema Mobilität und den unterschiedlichen Betrachtungswinkeln und Ansprüchen zum einen im ländlichen Raum und zum anderen im Metropolraum Ruhr, war es das Ziel, mit Fachleuten und Akteuren aus Politik und Verwaltung über neue Strategien und Lösungsansätze zu diskutieren.

Die erste Veranstaltung fand am 02. April in Ostbevern in der Josef-Annegarn-Schule statt, die zweite am 12. September beim Regionalverband Ruhr (RVR) in Essen statt. In beiden Veranstaltungen wurde deutlich, wie schwierig es ist Lösungen zu finden, die bei allen Akteuren Akzeptanz schaffen und gleichzeitig klimafreundlich sind.

Innenstadt-Gespräch in Ostbevern

Am 2. April 2019 diskutierten in Ostbevern rund 40 Politiker*innen und Vertreter*innen aus der Verwaltung gemeinsam mit Expert*innen zu dem Thema "Vernetzte Mobilität im Ländlichen - Voraussetzungen, Chancen und Strategien". Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Wolfgang Annen folgten zwei inhaltliche Impulse. Mathis Perkert vom Zukunftsnetz Mobilität, Koordinierungsstelle Westfalen, fasste die aktuelle Verkehrssituation zusammen und ging auf die Mobilitätsanforderungen für den ländlichen Raum ein. Um die Mobilität zu sichern, braucht es zukünftig attraktive Angebotsformen. Er betonte, dass es ein wichtiger Schritt sei, die Multimodalität zu fördern sowie die Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Dem ÖPNV fehle es oftmals an Bündelungseffekten, Lösungsstrategien könnten hier on-demand-Verkehre sein. Welche Ziele mit dem Reallabors Mobiles Münsterland verfolgt werden, erläutere Ute Schmidt-Vöcks von dem Münsterland e. V. im Rahmen des zweiten Vortrags. Als Modellregion in Nordrhein-Westfalen werden u. a. innovative Projekte, z. B.  Mobilstationen gefördert. Es folgte eine rege Diskussion, bei der sich auch Sylvia Niedziella, von dem Unternehmen Teilautos - Das regionale Carsharing sowie Rainer Tippkötter von der energielenker GmbH den Fragen der Teilnehmer*innen stellten. Es ging u. a. um ein bessere Anbindung und Vernetzung im ländlichen Raum sowie  um Fragen zur nachhaltigen Verkehrswende. Die Kommunen müssen bei Mobilitätsfragen über die Gemeindegrenzen hinaus miteinander ins Gespräch kommen, formulierte es ein Teilnehmer. Einig waren sich die Teilnehmer*innen, dass vor allem multimodale Lösungen notwendig seien, um zukünftig die Mobilität für alle auch im Ländlichen sicherzustellen.

Innenstadt-Gespräch in Essen

Bei dem Innenstadt-Gespräch am 12.09.2019 in der Ruhrgebietsstadt Essen, das in Kooperation mit dem Regionalver­band Ruhr stattfand, standen andere Aspekte im Vordergrund. So wurde vor dem Hintergrund der wachsenden Mobilitätsansprüche vor allem das Thema multimodale Mobilität diskutiert. Der Vorsitzende des Netzwerk Innenstadt NRW und Stadtbaurat Martin Harter begrüßte die rund 40 Teilnehmer*innen und führte in das Thema des Abends ein.

Im anschließenden Impulsreferat hob Martin Tönnes, Beigeordneter Planung des Regionalverband Ruhr, insbesondere die Wichtigkeit der regionalen Zusammenarbeit hervor. Es sei von großer Bedeutung, dass die Ruhrgebietsstädte und –kommunen einheitlich und gemeinsam handeln und nicht nur die einzelne Stadt betrachtet wird. Unter diesem Aspekt führte er in das sich noch in Erarbeitung befindliches Regionales Mobilitätsentwicklungskonzept Metropole Ruhr ein. Vor dem Hintergrund führte er beispielsweise ein regionales Parkraummanagement, ein regionales Radverkehrsnetz sowie ein regionaler Nahverkehrsplan an. Die digitale Schiene, die es ermögliche mehr Züge auf die Schiene zu bringen und somit eine effizientere Auslastung der Schienen hervorrufe sei außerdem eine zukünftige Aufgabe für die Region. Des Weiteren legte er aber auch die Schwächen in der Region dar. Hier waren ein fehlender SPNV-Anschluss in 12 Ruhrgebietskommunen, die Gestaltung der Bahnhöfe sowie fehlende Großinvestitionen im Fokus. Warnend verwies er zudem auf den Modalsplit für die Gesamtregion, der derzeit bei 58 % beim Anteil des MIV liege.

Im Folgenden schloss sich Georg Grindau, Leiter Mobilitätsmanagement bei Ruhrbahn GmbH mit einer Kurzvorstellung zu „ÖPNV und vernetzte Mobilität – Mobilstationen und digitale Plattform“ an. Er schilderte Beispiele aus Essen, wo die Ruhrbahn GmbH bereits Mobilitätsstationen eingerichtet habe. Weitere Stationen, auch im Raum Mülheim an der Ruhr, sollen hinzukommen. Besonders betonte er zudem die Wichtigkeit des Ausbaus von Multimodalität und gleichzeitig die Stärkung des ÖPNV.

In der anschließenden Diskussion, nahmen neben Martin Tönnes und Georg Grindau auch Michael Zyweck Leiter der Koordinierungsstelle des Zukunftsnetzes Mobilität NRW Rhein Ruhr und Kai Lipsius, Leiter der GrüneHauptstadt Agentur der Stadt Essen teil. Diskutiert wurde hier zunächst vor allem das Problem der Finanzierung von Mobilität. Als Beispiel führte Herr Zyweck an, dass 70-80 % der Kosten Personalkosten sind und der Ausbau vor allem abhängig von Investitionen und Betriebskosten sei. Herr Lipsius stellte daraufhin das Handlungskonzept Mobilität der Stadt Essen vor, das vorsehe, bis 2035 den Modalsplit auf jeweils 25 % Anteil vom MIV, Rad, Fuß und ÖPNV zu verlagern. Immer wieder thematisiert wurde auch das Thema CarSharing. Hier gingen die Meinungen teilweise auseinander. Dass CarSharing ausgebaut werden muss, da waren sich alle einig. Ob aber als Ersatz zum eigenen Auto oder als Ergänzung zum ÖPNV blieb strittig.

In der weiteren Diskussionen kamen auch Aspekte aus anderen Kommunen zum Tragen. Hier standen insbesondere der Ausbau des Radverkehrs und die damit einhergehenden Probleme im Fokus. Es fehle an Kapazität für den Ausbau der Radwege, da die Fahrbahnen oft nicht den ausreichenden Platz dafür bieten könnten. Herr Imorde, Moderator des Abends, bestätigte diese These mit der Planungskultur in Deutschland. Hier würde, anders als in den Niederlanden beispielsweise, von Innen nach Außen geplant, das heißt, zuerst wird den Autos Raum gegeben, dann den Fahrrädern und zuletzt den Fußgängern. Eine weitere Schwäche, die in der Diskussion zum Tragen kam, sei die regionale Parkraumpolitik. Die Parkgebühren seien lange nicht mehr erhöht worden und auch die Parkraumüberwachung sei nicht ausreichend, sodass es den Menschen einfach gemacht würde mit dem Auto zu fahren. Zudem würden finanzielle Unterstützungen aus kommunaler Hand fehlen, um diverse Mobilitätsprojekt zu unterstützen und weiterzuführen.

Abschließend lässt sich unterstreichen, dass allen Teilnehmer*innen die Zusammenarbeit der gesamten Region von großer Bedeutung ist. Zudem stellen unter anderem multimodale Mobilitätsmöglichkeiten einen weitere Fokus für die Zukunft in einer klimafreundlicheren Region dar. Fraglich bleibt schließlich wo die Grenzen des Wachstums sind und wie die Finanzierung vorangetrieben werden kann.

 

Bei beiden Veranstaltungen hat sich gezeigt, dass das Thema Mobilität spannend bleiben wird und sowohl im ländlichen Raum als auch im Metropolraum erhebliche Entwicklungspotenziale bestehen auch wenn diese, wie zuvor erläutert, im unterschiedlichen Maße und nach anderer Art bestehen. Für die Kommunen in beiden Regionen stellt „Vernetzte Mobilität“ einen zentralen Baustein bei der zukünftigen Entwicklung der Städte und Gemeinden, insbesondere in den Zeiten des Klimawandels, dar.

Podiumsdiskussion in Ostbevern.

Podiumsdiskussion in Essen.