Brühl

Brühl zählt zwar flächenmäßig zu den kleineren Städten des Rhein-Erft-Kreises, ist jedoch mit über 700 Jahren seine älteste und bekannteste Stadt. Über 46.000 Einwohner haben hier ihren Wohnort gewählt, sicherlich auch aufgrund der attraktiven Lage zwischen Köln und Bonn und der guten Anbindungen durch öffentliche Verkehrsmittel.

Die optimalen Rahmenbedingungen und die geografische Lage bieten hervorragende Möglichkeiten für eine positive wirtschaftliche Fortentwicklung. Dies haben zahlreiche Gewerbebetriebe erkannt und für sich genutzt. Freie Flächen in den Gewerbegebieten sind rar, doch Brühl schafft mit unmittelbar im Stadtkern gelegenen Projekten weitere Instrumente, um Kaufkraft zu halten und neue Kundenpotenziale zu erschließen. 

Durch den Freizeitpark Phantasialand hat Brühl den größten Bekanntheitsgrad erworben. Doch auch die UNESCO Welterbestätten, Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust sowie das Max Ernst Museum sind weltweit bekannt und ziehen jährlich viele Touristen in die Stadt.

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Moderne Verkehrsplanung und Mobilitätspolitik in Brühl

Moderne Verkehrsplanung und Mobilitätspolitik hat in Brühl Tradition. Brühl war 1993 eines von dreizehn Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen (AGFS). Die Grundlagen hierfür wurden bereits in den 80er Jahren gelegt. Die innerstädtische Mühlenstraße gehörte zu den ersten Einbahnstraßen in Deutschland, die für gegenläufigen Radverkehr geöffnet wurde. Die ebenfalls in den 80ern eingerichtete große Fußgängerzone ist von Anfang an ohne weitere Beschränkungen für den Radverkehr freigegeben, was sich über die Jahrzehnte bewährt hat. Mit den „Fahrradnovellen“ der StVO wurde die Öffnung von Einbahnstraßen dann vereinfacht, was Mitte der 90er Jahre in Brühl dazu genutzt wurde, in einem Schritt nahezu alle Einbahnstraßen für gegenläufigen Radverkehr zu öffnen. Ein weiterer Meilenstein war die Eröffnung der Radstation am Bahnhof im Jahr 2000.

Brühl liegt im „Speckgürtel“ der Oberzentren Köln und Bonn, an die es mit der „linken Rheinschiene“ der Eisenbahn und der Stadtbahnlinie 18 auf zwei Achsen sehr gut angebunden ist. Dennoch ist die Pendlerbilanz fast ausgeglichen: rund 11.000 Auspendlern stehen etwa 10.000 Einpendler gegenüber. Neben der leistungsfähigen Stadtbahnlinie 18, die in Nord-Süd-Richtung das Rückgrat des ÖPNV darstellt, sowie fünf Regionalbuslinien, sorgt seit 1998 ein eigenes Stadtbussystem mit sieben Linien für ein flächendeckendes ÖPNV-Angebot. Außerhalb der Betriebszeiten der Stadtbuslinien bringt das Anrufsammeltaxi seine Fahrgäste bis vor die Haustür.

 


Der Brühler Stern: ein erfolgreiches „Shared Space“ Projekt

Der Stern ist ein Knotenpunkt am Südrand der Brühler Innenstadt, an dem fünf Straßen versetzt zusammentreffen. Mit rund 7.500 Kfz – darunter auch die Mehrzahl der Stadtbuslinien – ist die Belastung durch den Autoverkehr nicht unerheblich. Gleichzeitig trennt der Stern die Fußgängerzone und ihre Randbereiche vom unmittelbar an den Stern angrenzenden, stark frequentierten Einkaufszentrum „Gieseler-Galerie“, was zu starken Fußgängerströmen über den Stern führt. Die zentrale Lage im Radverkehrsnetz bedingt zusätzlich erhebliche Radverkehrsmengen.

Bis in die 80er Jahre war der Stern ein gewöhnlicher, stark asymmetrischer und vom Autoverkehr dominierter Knotenpunkt. Mit Beginn der Renaissance der Kreisverkehrsplätze wurde der Stern zu einem frühen kompakten Kreisel umgebaut. Die Abwicklung des Verkehrs wie auch die Unfallsituation verbesserten sich durch die Umgestaltung erheblich. An der Dominanz des Kfz-Verkehrs änderte allerdings auch der Kreisverkehr relativ wenig.

Als nach Schließung der am Stern gelegenen Gieseler-Brauerei 2006 dort das Einkaufszentrum „Gieseler-Galerie“ mit 25 Fachmärkten und knapp 17.000 qm Verkaufsfläche entstand, war klar, dass für den Erfolg des Projektes ein attraktiver Anschluss an die angrenzenden Einkaufsstraßen der Kernstadt unabdingbar ist. Da eine Verlagerung des Kfz-Verkehrs aufgrund der Lage im Netz nicht möglich ist, bot sich die Anwendung des zu dieser Zeit aus den Niederlanden heraus populär werdenden Prinzips „Shared Space“ an.

Grundregel von Shared Space ist, dass nichts geregelt ist (keine Verkehrszeichen) und die „Unordnung“ für ein vorsichtiges und für alle Verkehrsteilnehmer verträgliches Miteinander sorgt – so die „reine Lehre“. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Funktionieren von Shared Space ist am Stern gegeben: Die Menge des Fußgängerverkehrs ist trotz des hohen Kfz-Aufkommens groß genug, um sich gegen den Autoverkehr hinreichend durchzusetzen. Eine andere wichtige Voraussetzung ist allerdings nicht gegeben: das Fehlen von Parkdruck – das Gegenteil ist der Fall. Damit war klar, dass diesbezüglich Vorkehrungen erforderlich sind.

Herausgekommen ist eine Platzfläche, in die in versetzter Form fünf Straßen einmünden. Räumlich gefasst wird der Platz durch die allseits umgebende Bebauung. Die im Sinne von Shared Space „ungeregeltste Regelung“ der deutschen Straßenverkehrs-Ordnung ist der verkehrsberuhigte Bereich (Zeichen 325 StVO), in dem alle Verkehrsteilnehmer im gesamten Straßenraum gleichberechtigt sind und „Schrittgeschwindigkeit“ vorgeschrieben ist. An den Übergängen zu der einheitlich und plangleich gestalteten Platzfläche verdeutlichen rote Pflasterbänder in Höhe der Zeichen 325 StVO den Übergang in den verkehrsberuhigten Bereich.

Durch die Anordnung von Pollern und gestalteten Gittern werden die ausschließlich Fußgängern vorbehaltenen Bereiche von den überfahrbaren Flächen des Platzes abgegrenzt. Die verengten Fahrflächen und spürbaren Fahrbahnversätze führen zu einer verhaltenen Fahrweise. Gleichzeitig wird so das Parken auf der gesamten Platzfläche wirksam unterbunden. Ein Nebeneffekt ist eine gewisse Kanalisierung der Ströme querender Fußgänger, die durch rote Pflasterbänder hervorgehoben werden. Für alle fünf Straßen (davon zwei Einbahnstraßen; einmal zufließend, einmal abfließend, beide „Radfahrer frei“) gilt rechts-vor-links.

Ergebnis der angepassten Shared-Space-Regelung ist ein gedeihliches Miteinander aller Verkehrsarten und ein städtebaulich hoch attraktiver Platz. Die Unfallzahlen – durch den Kreisverkehr ohnehin bereits niedrig – sind weiter deutlich zurückgegangen. Nach anfänglicher Zurückhaltung nehmen die Fußgänger ihre Rechte selbstbewusst wahr; auch die „Oma mit Gehstock“ (als Synonym für „schwache“ Verkehrsteilnehmer) quert selbstverständlich in Ruhe diagonal den Platz und die Fahrzeugführer akzeptieren dies ebenso selbstverständlich. Trotz des hohen Verkehrsaufkommens ist die Außengastronomie bei gutem Wetter gut ausgelastet: Die Bürger und Besucher Brühls haben den „neuen“ Stern angenommen!

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Ansprechpartner:

Ulrich Kalle
Leiter Fachbereich ÖPNV, Mobilität und Verkehr
Tel.: 02232 / 79-5300

E-Mail: ukalle@bruehl.d






Bilder von Ulrich Kalle / Stadt Brühl

© Land NRW/Rhein-Erft-Kreis (2017)